Irrtümer rund um Kurden auflösen

Kurden gehören zur Basler Bevölkerung. Sie werden aber nicht immer als traditionsreiche Ethnie wahrgenommen. Die erste Kurdische Kulturwoche soll Beziehungen zwischen den Kurden und den Baslern festigen.

Die in Basel lebenden Kurdinnen und Kurden wollen ab morgen mit einer erstmals durchgeführten Informations- und Kulturwoche gegen Vorurteile ankämpfen. Allzu oft sehen sie sich in der Bevölkerung als Türkinnen und Türken, Araberinnen und Araber oder Perserinnen und Perser wahrgenommen. Dabei haben sie eine eigene Kultur und Geschichte. Die meisten der rund 10000 Kurdinnen und Kurden in der Region Basel sind keine Muslime, sondern mehrheitlich Aleviten.

Um Irrtümer und Vorurteile rund um die Kurden aufzulösen, haben Edibe Gölgeli und der SP-Grossrat Atilla Toptas vor rund zwei Jahren die Schweizerisch-Kurdische Gemeinschaft (SKG) gegründet. «Wir wollen den Baslern zeigen, wer wir sind», betont Toptas. «Wir sind engagiert, wollen uns gegenüber den Schweizern öffnen und suchen Kontakt.» Dem Co-Präsidenten des Vereins ist aber bewusst, dass sich die erste Generation - also die Migrantinnen und Migranten - mit der Integration nicht leicht tut. «Fast alle der ersten Generation fühlen sich noch als Gast in der Schweiz. Sie sind gerne unter sich und pflegen ihre Heimatkultur.» Deswegen seien diese Leute den Schweizern gegenüber zurückhaltend. Es falle ihnen schwer, zu kommunizieren, ergänzt Gölgeli, die im Gegensatz zu Toptas in der Schweiz geboren wurde.

Die Herzen der zweiten Generation schlügen sowohl für Basel als auch für ihr Heimatland, so Toptas. Deren Offenheit will die SKG nutzen, um die Eltern der hier geborenen Kurdinnen und Kurden mit den Baslerinnen und Baslern an einen Tisch zu bringen. Eine weitere Hilfe der Secondos und Secondas sei, dass viele der Organisatoren gut ausgebildet oder noch Studierende sind.

Nur an Basler Treffpunkten

Damit die in Basel erste Kurdische Informations- und Kulturwoche aber nicht nur von den eigenen Leuten besucht wird, hat sich das Organisationsteam besondere Örtlichkeiten ausgesucht. Die Veranstaltungen während der sechs Tage finden in keinem kurdischen Vereinslokal statt, sondern nur an bekannten Basler Treffpunkten. Dazu gehören das Kultkino, das Begegnungszentrum Union, der Jazz Club Bird's Eye oder der Verein Plattform Querfeld im Gundeli. «Damit wollen wir zeigen, dass wir Kurdinnen und Kurden uns öffnen», erklärt Gölgeli. Und Toptas fügt an: «Wenn die Baslerinnen und Basler nicht zu uns kommen, gehen wir zu ihnen.» Zudem sei das Programmheft nur auf Deutsch geschrieben, und alle Veranstaltungen würden in deutscher Sprache durchgeführt, schiebt die Präsidentin der SKG nach. «Wenn ein Redner kein Deutsch kann, steht ein Dolmetscher zur Verfügung.»

Viele der Gäste der Kulturwoche reisen aus dem Ausland an - aber nicht alle sind Kurden. Der Oberbürgermeister der türkischen Stadt Van, Bekir Kaya, der türkische Fotograf Veysi Altay oder Jan Ilhan Kizilhan, ein Autor und Psychologe an der Universität Freiburg im Breisgau, sind nur einige der Geladenen. «Alle, die auftreten, sind Fachleute für Integration und kurdische Geschichte», betont Gölgeli. Die Themen Religion und Politik haben sich die Organisatoren bewusst ausgespart.

Beziehungen für ein ganzes Leben

Die Hauptzwecke der Veranstaltungen lassen sich einfach fassen: Es sollen Lösungen für eine bessere Integration gefunden und Brücken zwischen Schweizern und Kurden geschlagen werden. «Wir wollen für die folgenden Generationen in Basel etwas tun. Die Beziehungen unter den beiden Völkern müssen nämlich lebenslang über Generationen hinweg halten», fasst Toptas, der seit bald zehn Jahren in Basel wohnt, seinen Traum zusammen.

 

 

Quelle: Basellandschaftliche Zeitung

http://www.a-z.ch/news/vermischtes/irrtuemer-rund-um-kurden-aufloesen-5986748

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